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At Home with Melanie

Seit 3 Jahren wohnt die Interior-Bloggerin in ihrer traumhaften Wohnung in der Hansestadt. Wir haben sie in ihrer 170 Quadratmeter großen Altbauwohnung in Ottensen getroffen und fanden dort ein farbenfrohes Vintage-Paradies. In unserem Interview verrät Melanie, was es mit dem "Creepy Mann auf der Couch" auf sich hat und wie sie darauf kam, jede Wand ihrer Wohnung farbig zu streichen.
Vida: Erzähl doch mal kurz: wie kam es dazu, dass du so bunt geworden bist?

Melanie: Das ist so gewachsen. Das Erste, was wir nach unserem Einzug beschlossen haben, war die Raufasertapete in der gesamten Wohnung zu entfernen. Das war unheimlich viel Arbeit, aber dadurch, dass ich zu dieser Zeit noch kein Instagram hatte, war ich sehr frei in meiner Entscheidung, da ich nicht so beeinflussbar war. Mein Mann und ich haben uns dann, weil die Wohnung doch sehr groß war und aufgrund der wenigen Möbel gehallt hat, dazu entschieden, Gemütlichkeit einziehen zu lassen. Das Credo lautet: "Am Ende ist hier keine Wand mehr weiß." Mein Mann und ich haben uns gemeinsam für die vielen verschiedenen Farben entschieden. Natürlich gab es einige Differenzen, aber am Ende haben wir Kompromisse gefunden - er bekam das Beige im Flur und ich den Hackfleisch-Labskaus-Ton im Wohnzimmer. Jetzt bin ich froh darüber, dass er sich mit dem Beige durchgesetzt hat. Die Wohnung ist nämlich so geschnitten, dass man von jedem Raum aus in den Flur und somit auch weitere Räume schauen kann, dementsprechend wäre es doch zu verrückt, wenn es noch eine Zwischenfarbe geben würde. Er hat immer sicher gestellt, dass farblich etwas Ruhe mit einkehrt und dafür gesorgt, dass sich die Farben nicht beißen.

"Am Ende ist hier keine Wand mehr weiß."

V: Was würdest du jemandem raten, der etwas Respekt vor Farben an der Wand hat? Ich kenne das beispielsweise von mir selbst. In meiner Wohnung herrscht klassisches Egg Shell vor, aber im Nachhinein hätte ich mir doch mehr satte Farben an den Wänden gewünscht. Dadurch sieht eine Wohnung viel schneller eingerichtet und gemütlicher aus. Beige, schwarz und weiß sind natürlich ein einfaches und tolles Interior-Konzept, aber man merkt doch schnell, wie wahnsinnig schön es ist, von satten Farben umgeben zu sein.  
M: Ein bisschen Mut braucht man, aber mit den Wänden anzufangen, ist für mich der einfachste, kostengünstigste und schnellste Weg. Diese Methode ist reversibel. Mit Freunden und einem Kasten Bier kann man den Fauxpas ganz einfach wieder beseitigen. Die Konsequenzen sind eben nicht so wahnsinnig groß. Auch wenn man die Wohnung am Ende weiß hinterlassen muss, hat mich das nicht daran gehindert, mutig mit Farben – auch mit dunklen - zu sein. Man kann sich erst einmal an eine Wand herantasten und muss nicht direkt den ganzen Raum inklusive Decke streichen. Tapete ist natürlich auch eine gute Idee, aber definitiv aufwendiger. Ansonsten wären Textilien der nächste Schritt. Bunte Kissen, bunte Vorhänge und bunte Teppiche. Das wären meine first steps, bevor man sich beispielsweise eine teure farbenfrohe Couch kauft. 

V: Wenn du mit Farbe gut kannst, dann wertet es das Grundmobiliar total auf – so als ob du eine schicke Tasche trägst. Wenn du eine tolle Farbe an der Wand hast, strahlt der Raum. Was ist in dieser Wohnung dein absolutes Lieblingsstück? 
M: Das ist natürlich eine ganz schwierige Frage, da wir alles mit Bedacht und Liebe auswählen. Vieles sind eBay Kleinanzeigen-Funde oder Dinge, die wir aus Urlauben mitgebracht haben. Vieles hat eine Geschichte und natürlich hängt man daran. Egal in welche Ecke wir gucken, wir wollen Dinge sehen, die wir lieben. Wenn ich mich entscheiden müsste, dann sind es die Vintage Pieces. Zum Beispiel habe ich mich total über einen Blumenkübel, den ich auf eBay Kleinanzeigen gefunden habe, gefreut, weil er so toll in das Farbkonzept passt und man den so nicht kaufen kann. Mein absolutes Lieblingsstück, was man auf Anhieb wohl nicht vermuten würde, ist aber unser Couchtisch. Das war das erste Stück, das mein Mann und ich auf einem Vintage Flohmarkt gekauft haben, als wir zusammengezogen sind. Das sind solche Sachen, an denen mein Herz hängt. Wir hängen natürlich auch an allen Kunstwerken. Alles ist liebevoll zusammengesucht und ausgewählt worden. Es war nicht so, dass wir uns im Voraus ein Konzept überlegt haben, sondern vieles ist so entstanden und mit gewachsen.

"Egal in welche Ecke wir gucken, wir wollen Dinge sehen, die wir lieben."

V: In jede Ecke, in die man schaut, hat man das Gefühl, man geht auf eine Reise mit euch als Familie. Was ich zum Beispiel cool finde, ist das Gemälde, auf das wir gerade schauen. Magst du uns dazu mal die spannende Geschichte erzählen?  
M: Ja, das ist tatsächlich unser 6. Familienmitglied. Der "Creepy Mann auf der Couch". Das ist auch ein eBay Kleinanzeigen-Fund. Der Witz daran war, dass mir der Mann, der dort auf der Couch sitzt, die Tür öffnete. Der Typ sah dem "Creepy Mann auf der Couch" wahnsinnig ähnlich. Er trug zwar keinen Smoking, ich sah aber diese Couch, weshalb es also kein Zufall sein konnte. Ich traute mich zu fragen und er war es tatsächlich. Er war mit einem Künstlerpärchen aus Frankreich befreundet, die die Couch kannten und diese als wiederkehrendes Element verwendeten. Die rosafarbenen Schuhe gab es auch. Der Smoking und die Wüste sind jedoch frei erfunden. Das Bild gab es aber schon lange vor der Wohnung. Das habe ich damals gekauft, als wir noch in unserer alten Wohnung wohnten, in die es gar nicht passte. Das war wirklich so ein Ding, das ich einfach haben musste! In der alten Wohnung hatten wir weder einen Keller noch einen Dachboden. Das heißt: Es stand für lange, lange Zeit einfach mitten im Raum.

"Der Mann, der dort auf der Couch sitzt, öffnete mir die Tür."

V: Wir sind wahnsinnig stolz darauf, dass einer unserer Teppiche bei dir liegt. So haben wir uns ja überhaupt erst kennengelernt. Warum hast du dir dieses schöne Stück ausgesucht? 
 M: Wir haben lange nach einem Teppich gesucht. Teppiche sind ja wirklich schwierig. Der Markt ist übersättigt, deshalb war es eine relativ lange Geschichte für uns. Ich fälle die Entscheidungen immer mit meinem Mann zusammen. Ihm war es total wichtig, einen Teppich aus dem Iran oder Afghanistan zu haben. Er hat selber einen afghanischen Background und wir sind viel in Pakistan. Für ihn war es total wichtig, einen Teppich zu haben, den so niemand hat. Wir schauen dann immer, wo die Produkte herkommen und was für eine Brand und Geschichte dahintersteckt, wenn wir sie nicht Vintage kaufen. Wir fanden es auf Anhieb toll, dass Rugtales aus Hamburg kommt und ein Familienunternehmen in 6. Generation ist. Dann habe ich mir die Highlights auf Instagram angeschaut und mich total in die Gabbeh-Story verliebt. Ich habe nach einem Teppich geschaut, der gemütlich ist. In der Story hast du dann über den dichten Flor gesprochen und die wurden von den Nomad*innen ursprünglich als Bett genutzt.
V: Richtig! Da hat mir aber jemand zugehört. 
 M: Ja, ich habe meine Hausaufgaben gemacht und mir, bevor wir den Teppich gekauft haben, wirklich alles angehört, weil das für Kinder auch einfach spannend ist. Wir sitzen viel auf dem Boden und dadurch waren das Teppiche, die passen könnten. Diesen Gabbeh habe ich dann gesehen und ihn aufgrund der Farben perfekt gefunden. Damals waren schon der Ekstrem Chair von Varier und der Ecksitz Togo von Ligne Roset bestellt und als ich den Teppich gesehen habe, war ich so: „Oh Gott, jetzt muss ich ganz schnell sein und meinen Mann anrufen!“. Habe ihm direkt den Link geschickt, weil ich Angst davor hatte, dass dieser Teppich plötzlich weg ist - es gibt ihn so ja nur ein einziges Mal. Ich konnte mir keinen anderen mehr vorstellen. Dieser Teppich setzt einfach ein Statement und verbindet all die Farben, die wir hier haben. Der musste es einfach sein. Und was du dann über die kleinen Figuren, die einen beschützen und die Muster erzählt hast, hat mich noch mehr überzeugt. Mich hat das Muster an einen Baum erinnert und ich habe darin Früchte gesehen und fand das einfach schön, weil der Teppich viel mehr kann und ist als nur ein Dekostück, was auf dem Boden liegt, über das man rüberlatscht. 
 V: Ich finde es total schön, dass du dich so mit der Geschichte auseinandergesetzt hast und diese auch erkennst. Das sieht man ja auch an eurer Wohnung. Egal wo man hinguckt, begegnet einem die Liebe fürs Detail. Man fühlt sich so umarmt von der Wohnung. Wenn du sagen müsstest, was für dich zu Hause in einem Satz bedeutet, was würdest du sagen? 
 M: Zuhause ist für mich der Ort, wo ich mit meiner Familie zusammen und sicher bin. Gerade in heutigen Zeiten wird das einem immer bewusster. Die Welt ist gerade in so vielen Gesichtspunkten upside down und deswegen kann ich mich immer dann zu Hause fühlen, wo ich meine Lieben um mich habe und diese sicher sind. 
 V: Vielen Dank, dass wir zu Besuch sein durften. Es hat wahnsinnig viel Spaß gemacht.